Unser Dorf liegt am nordwestlichen Harzrand, an der alten Thüringer Heerstraße. Liegen wir heute im Landkreis Goslar, so waren wir in früherer Zeit im Herzogtum Braunschweig, im alten Amt Gandersheim beheimatet. Das Dorf wird vom Nettelauf geprägt, der in zwei Armen den Dorfkern durchfließt. Am Dorfrand findet sich auch die ertragreiche Quelle, die zu den stärksten Karstquellen in Niedersachsen zählt. Die Wassermenge war so ausreichend das damit in früherer Zeit drei Mühlen im Dorf betrieben werden konnten. Die erste Mühle stand schon 300 m hinter dem Nettesprung!

Herrhausen wurde am 4. Mai 947 das erste Mal Schriftlich, als befestigter Wohnsitz, erwähnt. Dieser lag im Bereich der heutigen Nettequelle, noch im 18. + 19. Jahrhundert wurden die dortigen Gebäude als Wallhof betitelt.

Was man unseren Dorf heute nicht mehr ansieht, im frühen Mittelalter war es industriell geprägt. Im 12. Jahrhundert wurde eine Kupferhütte am heutigen Mühlenteich - früher Hüttenteich genannt - betrieben. Die Rammelsberger Erze wurden auch bei uns verhüttet. Erst später erfolgte wieder der Wandel zum bäuerlich geprägten Ort.

Im dreißigjährigen Krieg wurde Herrhausen dann komplett zerstört, in den Wirren des Krieges kam auch ein Großteil der Bevölkerung um, oder floh in andere Regionen. In dieser Zeit trat aber auch ein Mann in die Dorfgeschichte ein, der das Dorf über Jahre hinweg dominieren sollte. Der in braunschweigischen Diensten stehende Obrist Johann von Koch. Er gehörte wiederum zu den Gewinnern des Krieges, war er vorher Amtmann in Bilderlahe, so hatte er in der Kriegszeit doch Rang und genug Geld erworben, um den adeligen Gutshof in unserem Dorf zu kaufen und wiederaufzubauen. Später folgten Adelstitel und zu guter Letzt in Seesen sogar noch einen weiteren Gutshof. Die zerstörte Kirche wurde 1651/52 von ihm neu auf den Ruinen der alten erbaut. Früher hatte die Kirche mit den schmalen Türen und den kleineren Fenstern sogar einen fast wehrhaften Charakter, was wahrscheinlich gar nicht so schlecht war, in den unruhigen Zeiten nach dem Krieg. Erst später erfolgten die Umbauten zur heutigen Form.

Hier auch eine Anekdote dazu: Der Friedhof lag damals um die Kirche herum, und war so dicht belegt, das der adelige Johann von Koch sich damals gezwungen sah bei der Landeskirche zu protestieren, weil sogar auf seinen Kiesweg zur Prieche Gräber angelegt wurden. Bei dem weiteren Ausbau des Feuerwehr-Gerätehauses (ursprünglich die Pfarrscheune auf dem Kirchhof) im Jahre 1997 wurden schon in 40 cm tiefe die ersten Knochen freigelegt! Der Wappen über den seitlichen Eingang der Kirche erinnert noch heute an die Familie von Koch, deren Gebeine noch heute in einer Gruft unter der Kirche liegen.

In der napoleonischen Zeit gehörten wir kurze Zeit zum Königreich Westphalen. In dieser Zeit wurden viele Wehrpflichtige eingezogen, und kämpften auf französischer Seite in ganz Europa. Von Spanien bis Rußland finden sich ihre Gräber. Im Jahre 1815 fielen die letzten Herrhäuser in Waterloo, jetzt auf braunschweigischer Seite im Kampf gegen Napoleon.

In der Folgezeit blühte das Dorf auf und kam zu einem gewissen Wohlstand. Der Bau der Eisenbahn veränderte dann von 1869 bis 1871 das Dorfbild. Der Bahndamm trennte das Dorf förmlich von der östlichen Feldmark ab. Die Nette lag auf einmal außerhalb des Dorfes, der zweite Quelltopf verschwand sogar unter dem Bahndamm. Der alte Wallhof teilte zum Teil sein Schicksal und wurde überbaut.

Der steinerne Glockenturm der Kirche wurde 1879 errichtet, die Dorfschule wurde 1894 neu erbaut und 1911 sogar noch erweitert.

Erst mit dem Nationalsozialismus und mit dem von einem wahnsinnigen entfesselten Krieg wurde der wirtschaftliche Aufwärtstrend gestoppt. Unser Dorf wurde zwar von den Verwüstungen des 2. Weltkrieges verschont, doch viele sahen ihr Dorf nicht wieder und liegen in fremder Erde begraben. Nach dem Krieg verdoppelte sich kurzzeitig die Bevölkerung, durch die Vertriebenen aus den Ostgebieten, was sich auch im Bau neuer Häuser bemerkbar machte.

1949 wurde der Sportplatz erbaut. Am 1. Juli 1972 wurde aus der eigenständigen Gemeinde Herrhausen, dann ein Ortsteil der Stadt Seesen. 1980 entstand dann aus der alten Schule, unser heutiges Dorfgemeinschaftshaus. Im Rahmen der Dorferneuerung in den 90er Jahren wurden dann der Kirchenvorplatz, das Umfeld des DGH und einige Straßen neu gestaltet.

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