Die Herrhäuser Nettequelle ist eine der ergiebigsten Karstquellen in Niedersachsen (manche Schriftquellen betiteln sie sogar als zweitgrößte Quelle nach der Rhumequelle).
Der Althistoriker F. Günther schrieb schon 1887 in seinem Buch „Der Ambergau“ folgendes: „….Das Flussgebiet der Nette und all ihrer Nebenflüsse – mit Außnahme des Quellgebietes der Markau – ist der Ambergau. Wenn der Name desselben, der 974 Ambergawe, 1001 Ambergan, 1009 Ambraga geschrieben wird, das indogermanische Wort ambr enthält, welches Fluss bedeutet (Sanskrit ambu Wasser), so hat der Gau seinen Namen von der Nette, die ihn in seiner ganzen Länge von Süden nach Norden durchströmt und ihr Thal in jenen wasserreichen Zeiten noch häufiger als jetzt in einen meilenlangen See verwandelte……“


Das heutige Aussehen des Quelltopfes stammt zum Teil von der ehemaligen – 1907 erbauten - Pumpstation der alten Wasserversorgung. Man kann heute noch im Quelltopf die alten Brunnenringe erkennen.
Das Aussehen der Quelle wurde aber schon einmal verändert, mit dem Bau der Eisenbahnstrecke von Seesen nach Osterode (eröffnet im Jahr 1872), wurde die Quelle förmlich vom Dorf abgetrennt, der zweite Quelltopf von der Eisenbahn komplett verschlungen. Dieser Quelltopf befindet sich jetzt in einer begehbaren Brunnenstube direkt unter dem Bahndamm. Ein kleiner Teich befindet sich – in einem Garten - vor dem Eingang.
Der große Quelltopf hat eine Wasserlieferung von ca. 62 Liter* in der Sekunde, in Spitzenzeiten bis zu 75 Liter* alleine in der Hauptquelle. 1652 wird von Merian berichtet: „…springet auch darin eine schöne namhaffte Quelle, die Nette genant, treibet ohngefehr einen Büchsenschuß davon einen Mahl- und Oligang, und wird endlich auf zwey Meil Weges so groß, das sie eine Mahl-Mühle mit sechs und mehr Mahlgängen treiben kann.“ Doch das meiste Wasser entspringt heute nicht an der Oberfläche, sondern im nahegelegenen, 1968 angelegten, 39 m tiefen Brunnen der Versorgungsbetriebe, der sich auch aus dem Quellbereich versorgt. Der unterirdische Quellbereich liefert im Durchschnitt 537 m3* am Tag für die Wasserversorgung der Stadt Seesen. Jeder Mitbürger der Morgens auf seinen verkalkten Wasserkocher sieht, denkt deswegen an die Karstquelle. Denn man darf nicht vergessen, dass es sich hierbei um eine Quelle handelt, die sehr Kalkhaltig ist.
Doch Herrhausen hat noch mehr zu bieten, im Dorf an der Hungerbornstraße entspringt der gleichnamige Hungerborn, der Quelltopf selbst befindet sich oberhalb des Ausfluss Rohres in der Feldmark. Der aus dem Wald kommende kleine Bachlauf ist auch nach dem Hungerborn benannt. Während der kleine Bach aus dem Waldstück Eichenrott recht schnell im Sommer versiegt, ist die Hungerbornquelle bisher nur bei großer Trockenheit ausgetrocknet.
Ein weiterer Bach und Zufluss zur Nette, der unterhalb von Herrhausen den Bach speiste, wurde im frühen Mittelalter abgegraben, der Assekenbach. Dieser wurde nach Kirchberg zur Markau umgeleitet. Man kann heute noch genau erkennen wo der Mensch in den Bachlauf eingriff. Unterhalb vom Wald unterquert der bis dahin wilde Assekenbach die Straße, danach läuft er wie mit dem Lineal gezogen an der Straße entlang. Der alte Bachlauf hingegen verlief rechts der Straße am Netteberg entlang, und verlief dann durch den Bereich des heutigen Sportplatzes und floß dann in die Nette (wahrscheinlich im Bereich der Flachsrotten). Zu guter Letzt kreuzt die Trenneke oder auch Trentje genannt, die Herrhäuser Feldmark. Auch diese Quelle dient der Wasserversorgung, der Stadt Seesen. Eine weitere Quelle wurde beim Bau der Eisenbahn zerstört. Heute kann man, wenn man aus Richtung Seesen unter der Eisenbahnbrücke hervorkommt, links der Straße, einen kleinen Teich in einer Weide erkennen. Diese Quelle muss in früherer Zeit weitaus kräftiger gewesen sein, da diese, die am Engeläder Weg gelegenen Maulwurfshaufenteiche speiste. Noch heute kann man in der Bodensenke die Reste von Dämmen erkennen. Eine Reaktivierung der Teiche ist im Rahmen der Flurbereinigung geplant, doch ob es umgesetzt wird steht noch nicht ganz fest, vor allem, da der Wasserzufluß in der trockenen Jahreszeit unzureichend ist.
Doch kommen wir zur Nettequelle zurück, die Quelle ist – wie schon erwähnt - eine Karstquelle die vom Wasser des Harzes gespeist wird. In einem Artikel des BUND (Kreisgruppe Goslar/Seesen //Quelle: www.stuffel-seesen.de) wird in einem Bericht über das Absetzbeckens des Münchehöfer Kalkwerkes folgendes erwähnt: „Im Gebiet von Münchehof  führte E. BÖCKH im Jahre 1959 zwei Färbeversuche durch.1. Versuch 450 g Uranin in den Bachlauf südöstlich des Kalkwerkes Münchehof kurz vor der Versinkung dieses Gewässers an einem Staudamm. Beobachteter Wasseraustritt: Nettespring und Schwarzer Kolk, Herrhausen; Quellen in den Taubenwiesen, Seesen; Quelle nördlich Gittelde. Grundwasseraustritt im Bachbett der Markau westlich Münchehof….“
Man kann auch gut im Assekenbach - oberhalb der Brücke im alten Bachlauf – erkennen, wie in deren Bett, in drei Mulden der Bach verschwindet. Besonders in der trockenen Jahreszeit ist es sehr auffällig das am Waldrand und in der Wiese noch ein plätschernder Bachlauf vorhanden ist, aber man auf der Höhe der ersten Brücke nur noch in ein ausgetrocknetes Bachbett schaut.
Doch kommen wir wieder zur Nette zurück, schon am Dorfausgang ist ein imposanter Bach zu sehen. In Rhüden ist aus unserem Bach ein kleiner Fluss geworden, der auch schon einmal bedrohliche Ausmaße annehmen kann (Der Autor selbst, hat schon viele Male in Rhüden gegen das Hochwasser gekämpft und sich dabei nasse Füße geholt). Bei Derneburg im Landkreis Hildesheim mündet sie schließlich nach circa 43 km in die Innerste, wird zur Leine, zur Aller und ergießt sich endlich als Weser in die Nordsee.

* Herkunft der Wasserdaten: Harz Energie GmbH & Co. KG
Die Herrhäuser Nettequelle

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